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25 und 43 Jahre alt. Zwei Generationen, ein Gespräch über Wachstum, Freiheit und ein gutes Leben

Meine Tochter ist 25 Jahre alt. Ich bin 43.

Eigentlich liegen zwischen uns nur 18 Jahre. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass zwischen unseren Vorstellungen vom Leben ganze Welten liegen.

Neulich schrieb sie mir eine lange Nachricht. Sie hatte am Tag zuvor ein Gespräch mit mir geführt und war dadurch auf einige Gedanken gekommen, die sie unbedingt mit mir teilen wollte.

Was daraus entstanden ist, fand ich bemerkenswert.

Nicht, weil ich mit allem einverstanden bin.

Und auch nicht, weil ich glaube, dass ich mit 43 automatisch mehr verstanden habe als sie mit 25.

Im Gegenteil.

Ich glaube, dass genau solche Gespräche wichtig sind, weil zwei Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen auf dieselbe Welt schauen und dabei zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen können.

Meine Tochter schrieb mir zunächst etwas, das mich sehr gefreut hat.

Sie habe Frieden mit ihrer Vergangenheit gefunden. Dadurch habe sie auch Frieden mit sich selbst gefunden. Sie habe gelernt, gnädiger mit sich selbst zu sein und vergangene Fehler nicht mehr ständig mit sich herumzutragen.

Sie beschreibt Selbstvergebung als eine Kernkompetenz erfolgreicher Menschen.

Nur wer sich nicht ständig an vergangenen Fehlern festbeißt, habe die Energie, weiterzumachen.

Das kann ich nachvollziehen.

Sie schreibt außerdem, dass sie sich nicht mehr hetzt. Sie bewege sich bewusster und langsamer durch ihr Leben. Dadurch könne sie Entscheidungen bedachter treffen, Ideen besser durchdenken und klarer existieren.

Sie empfindet diese Veränderung als enormen persönlichen Wachstumsschub.

Und genau hier beginnt für mich bereits der interessante Teil.

Denn sie spricht von Wachstum.

Ich denke ebenfalls über Wachstum nach.

Aber wir meinen offenbar nicht dasselbe.

Sie sieht Möglichkeiten. Ich sehe Grenzen.

Meine Tochter kam durch unser Gespräch auf die Idee, Live Verkäufe in größerem Stil aufzuziehen.

In China sind Live Verkäufe bereits seit Jahren ein großes Geschäft. Verkäufer streamen Produkte live, präsentieren sie, erklären sie und verkaufen direkt an die Zuschauer.

Ihre Idee war, daraus ein Unternehmen zu machen.

Nicht nur eine Person, die Produkte verkauft.

Sondern ein ganzes Team.

Mehrere Live Verkäufer. Unterschiedliche Produkte. Unterschiedliche Gewinnmargen. Jeder bekommt ein Grundgehalt und zusätzlich eine Provision für jeden Verkauf.

Rein wirtschaftlich betrachtet ist das eine interessante Idee.

Wenn man das professionell aufzieht, könnten daraus für das Unternehmen und für die Verkäufer durchaus erhebliche Summen entstehen.

Und genau an diesem Punkt gehen unsere Gedanken auseinander.

Ich habe darüber auch schon nachgedacht.

Aber meine erste Frage lautet nicht, wie groß man es machen könnte.

Meine Frage lautet

Wozu?

Wozu soll ich ein Unternehmen größer machen, als es notwendig ist?

Ich möchte meinen Lebensunterhalt verdienen.

Ich möchte ein Dach über dem Kopf haben.

Ich möchte Lebensmittel kaufen können.

Ich möchte jeden Monat einen kleinen Betrag investieren.

Ich möchte etwas Geld für eine jährliche Reise zurücklegen.

Das reicht mir.

Ich brauche kein Luxusleben.

Kein fettes Auto.

Kein riesiges Haus.

Keine Statussymbole.

Ich möchte genug Geld verdienen, um in Ruhe und glücklich leben zu können.

Und wenn ich diesen Punkt erreicht habe, warum sollte ich dann noch weiter wachsen?

Für meine Tochter ist Wachstum zunächst einmal eine Möglichkeit.

Für mich kann Wachstum irgendwann zur Belastung werden.

Je größer ein Unternehmen wird, desto größer werden auch Verantwortung, Abhängigkeiten, Verpflichtungen und Probleme.

Mehr Mitarbeiter bedeuten mehr Verantwortung.

Mehr Umsatz bedeutet mehr Organisation.

Mehr Gewinn bedeutet häufig auch mehr Erwartungen.

Mehr Geschäft bedeutet mehr Zeit.

Und irgendwann arbeitet man vielleicht nicht mehr für sein Leben, sondern das Leben arbeitet für das Unternehmen.

Das möchte ich nicht.

Wir wollen deshalb ein kleines Unternehmen mit einem kleinen Team aufbauen.

Nicht mehr.

Dann kam Deutschland

Meine Tochter wechselte anschließend von der Unternehmensidee zu einer grundsätzlichen Betrachtung unserer Gesellschaft.

Sie findet, dass Deutschland ein Problem mit seinem Komfort hat.

Sie argumentiert, dass hier sehr vieles gleichzeitig abgesichert und geregelt ist. Arbeitnehmer haben Rechte. Verbraucher haben Rechte. Mieter haben Rechte. Es gibt Arbeitszeitregelungen, Ruhezeiten und zahlreiche Vorschriften.

Für sie entsteht daraus ein System, das an manchen Stellen zu bequem geworden ist.

Sie sieht beispielsweise Probleme bei nächtlichen Arbeiten.

Sie erzählte mir von ihrer Fahrt zur Arbeit.

Auf der gegenüberliegenden Spur habe sich morgens gegen acht Uhr ein riesiger Stau gebildet. Die Ursache waren Arbeiten an einem Gebüsch entlang einer stark befahrenen Straße.

Ihre Überlegung war simpel.

Warum werden solche Arbeiten nicht nachts durchgeführt, wenn die Straße weniger belastet ist?

Ihre Antwort darauf ist, dass Deutschland das aufgrund von Lärmschutz und anderen Regelungen kaum zulassen würde.

Sie brachte weitere Beispiele.

Ärzte sind häufig nur während der eigenen Arbeitszeit erreichbar. Wer einen normalen Termin benötigt, muss warten oder Urlaub nehmen.

Handwerker und Prüfer kommen während normaler Arbeitszeiten. Wer zu Hause sein muss, braucht dafür ebenfalls Zeit oder Urlaub.

Sie fragte sich, wie viel Arbeitszeit eine Gesellschaft verliert, wenn Millionen Menschen jedes Jahr für solche Termine ihre Arbeit unterbrechen müssen.

Und ich finde diese Frage durchaus berechtigt.

Aber ich komme bei der Antwort zu einem anderen Ergebnis.

Effizienz ist nicht alles

Ich glaube nicht, dass jede Einschränkung automatisch schlecht ist.

Meine Tochter argumentiert beispielsweise, dass Länder wie Japan bestimmte Arbeiten nachts erledigen müssen, weil dort viel mehr Menschen auf deutlich weniger bewohnbarer Fläche leben.

Das stimmt als grundsätzliche Überlegung.

Wenn sehr viele Menschen auf engem Raum leben, müssen Abläufe anders organisiert werden.

Aber daraus folgt für mich nicht automatisch, dass wir jede gesellschaftliche Ruhezeit abschaffen sollten, nur um effizienter zu werden.

Genau hier beginnt für mich die entscheidende Frage.

Was wollen wir eigentlich optimieren?

Die Wirtschaft?

Den Umsatz?

Die Arbeitszeit?

Die Verfügbarkeit?

Oder das Leben der Menschen?

24 Stunden sind nicht automatisch besser als 16

Meine Tochter findet es problematisch, dass Geschäfte in Deutschland nicht rund um die Uhr geöffnet haben.

Ich sehe das anders.

Ich halte flächendeckende 24 Stunden Öffnungszeiten sogar für eine Katastrophe.

Wer braucht das wirklich?

Natürlich kann es Situationen geben, in denen es sinnvoll ist.

Aber nur weil ein Geschäft theoretisch rund um die Uhr geöffnet sein kann, bedeutet das nicht, dass es rund um die Uhr geöffnet sein muss.

Früher hatten beispielsweise Tankstellen teilweise die ganze Nacht geöffnet. In den 2000er Jahren hat sich gezeigt, dass sich das wirtschaftlich häufig nicht lohnt.

Heute gibt es durchaus Geschäfte, die länger geöffnet haben. Gerade in großen Städten.

Aber ich frage mich, wo wir eigentlich hinwollen.

Was bringt uns der zusätzliche Komfort wirklich?

Wenn wir Geschäfte 24 Stunden am Tag öffnen, brauchen wir mehr Personal. Mehr Energie. Mehr Transporte. Mehr Beleuchtung. Mehr Logistik.

Wir erhöhen also den Aufwand, damit wir jederzeit konsumieren können.

Und irgendwann stellt sich die Frage, ob wir tatsächlich einen Bedarf erfüllen oder nur einen weiteren Bedarf schaffen.

Hinzu kommt etwas, das in dieser Diskussion meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung findet.

Der Ruhetag.

Der Mensch braucht Zeiten, in denen nichts passieren muss

Ich halte einen gemeinsamen Ruhetag für wichtig.

Nicht nur aus religiösen Gründen.

Sondern aus menschlichen Gründen.

Wir brauchen Zeiten, in denen nicht alles funktionieren muss.

Zeiten, in denen wir nicht arbeiten.

Nicht einkaufen.

Nicht konsumieren.

Nicht produzieren.

Nicht erreichbar sein müssen.

Wenn jeder Tag wirtschaftlich maximal genutzt werden soll, verlieren wir irgendwann etwas sehr Wichtiges.

Die Möglichkeit, einfach einmal nichts zu tun.

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem unsere beiden Generationen unterschiedlich auf die Welt schauen.

Meine Tochter sieht eine Gesellschaft, die effizienter werden könnte.

Ich sehe eine Gesellschaft, die aufpassen muss, dass sie vor lauter Effizienz nicht vergisst, wofür sie eigentlich effizient sein will.

Japan ist für mich kein Vorbild für alles

Meine Tochter verwies auf Japan und den dortigen Leistungsdruck.

Ich finde Japan in vielerlei Hinsicht faszinierend.

Sauberkeit.

Organisation.

Disziplin.

Effizienz.

Aber gerade deshalb sollte man auch die andere Seite betrachten.

Der Leistungsdruck ist enorm.

Die Arbeitskultur ist teilweise extrem.

Und das Land wächst wirtschaftlich seit Jahren kaum noch.

Die bekannte 24 Stunden Kette aus Japan ist dabei ein interessantes Symbol.

Alles ist verfügbar.

Alles ist organisiert.

Alles funktioniert.

Aber ist das automatisch ein besseres Leben?

Ich glaube nicht.

Ich glaube vielmehr, dass wir aufpassen müssen, wirtschaftliche Effizienz nicht mit Lebensqualität zu verwechseln.

Der Gedanke des unbegrenzten Wachstums

Damit kommen wir zum eigentlichen Kern unserer Diskussion.

Meine Tochter denkt darüber nach, wie man aus einer Idee ein größeres Unternehmen machen kann.

Ich denke darüber nach, warum es überhaupt immer größer werden muss.

Wir sprechen ständig über Wirtschaftswachstum.

Unternehmen sollen wachsen.

Der Konsum soll wachsen.

Die Wirtschaft soll wachsen.

Das Bruttoinlandsprodukt soll wachsen.

Aber die Erde wächst nicht mit.

Unsere Ressourcen wachsen nicht mit.

Die verfügbare Fläche wächst nicht mit.

Und auch unsere Lebenszeit wächst nicht unbegrenzt.

Warum also muss unser Verbrauch ständig wachsen?

Ich glaube, wir müssen irgendwann den Mut haben, über ein anderes wirtschaftliches Ziel nachzudenken.

Nicht unbegrenztes Wachstum.

Sondern ein selbsttragendes System.

Einen Kreislauf.

Wir produzieren Dinge, die lange halten.

Wir reparieren.

Wir verwenden wieder.

Wir recyceln.

Wir verbrauchen Ressourcen bewusst.

Wir kaufen nicht ständig neue Dinge, nur damit die Wirtschaft weiter wächst.

Das Problem ist, dass unser heutiges System teilweise genau das Gegenteil belohnt.

Je mehr wir konsumieren, desto besser scheint es für die Wirtschaft zu sein.

Je häufiger wir etwas ersetzen, desto besser.

Je mehr wir kaufen, desto höher der Umsatz.

Aber irgendwann muss jemand die Rechnung bezahlen.

Und diese Rechnung besteht nicht nur aus Geld.

Sie besteht aus Ressourcen.

Energie.

Müll.

Flächenverbrauch.

Umweltbelastung.

Und am Ende auch aus Lebenszeit.

Aus Scheiße Geld machen

Meine Tochter schrieb in ihrer Nachricht sinngemäß, dass ein gewisser Druck Menschen dazu bringen kann, aus Scheiße Geld zu machen.

Ich musste darüber nachdenken.

Denn genau das tun wir.

Wir machen aus Scheiße Geld.

Wir kaufen Dinge, die andere Menschen nicht mehr wollen, und verkaufen sie weiter.

Das funktioniert.

Wir verdienen damit unseren Lebensunterhalt.

Aber ich sehe darin keinen Beweis dafür, dass immer mehr davon gut wäre.

Im Gegenteil.

Wenn jeder Mensch so wirtschaften würde wie wir, nur in einem viel größeren Maßstab, wäre die Welt irgendwann komplett zugemüllt.

Genau deshalb möchte ich klein bleiben.

Ich brauche keinen Lambo.

Keinen BMW.

Keinen Luxus.

Ich brauche keine Villa, nur weil mein Unternehmen erfolgreich ist.

Ich möchte nicht aus unserem kleinen Unternehmen irgendwann ein riesiges Unternehmen machen, nur weil es theoretisch möglich wäre.

Ich könnte irgendwann zehnmal so viel verkaufen.

Aber warum?

Damit ich zehnmal so viel besitzen kann?

Damit ich mehr arbeiten muss?

Damit ich mehr Verantwortung habe?

Damit ich mehr konsumieren kann?

Das ergibt für mich keinen Sinn.

Die unangenehme Wahrheit über meinen eigenen Konsum

Es gibt noch etwas, das ich dabei nicht verdrängen möchte.

Ich würde viel lieber etwas herstellen, hinter dem ich moralisch vollständig stehen kann.

Zum Beispiel Holzspielzeug.

Stattdessen kaufe ich Waren in Ländern, in denen teilweise Menschenrechte missachtet werden, und verkaufe sie in einem Land, in dem viele Menschen gar nicht darüber nachdenken, wo ihr Konsum eigentlich endet.

Ich verdiene damit mein Geld.

Und ich bin dankbar dafür.

Aber ich rede mir nicht ein, dass das automatisch etwas Gutes für die Welt ist.

Das ist für mich die unangenehme Wahrheit.

Ich versuche deshalb wenigstens, nicht noch mehr daraus machen zu müssen.

Ich möchte nicht immer größer werden.

Ich möchte nicht immer mehr verkaufen.

Ich möchte nicht immer mehr konsumieren.

Ich möchte genug verdienen.

Vielleicht ist genug eine unterschätzte Größe

Meine Tochter hat geschrieben, dass sie ihren Frieden gefunden hat.

Ich glaube, ich habe meinen ebenfalls gefunden.

Ich möchte einfach nur existieren.

Ich möchte nicht vom Staat abhängig sein.

Ich möchte meinen Lebensunterhalt selbst erwirtschaften.

Ich möchte meine Rechnungen bezahlen können.

Ich möchte ein Dach über dem Kopf haben.

Ich möchte Lebensmittel kaufen können.

Ich möchte ein wenig investieren können.

Ich möchte einmal im Jahr verreisen.

Und danach möchte ich mein Leben leben.

Mehr brauche ich nicht.

Das klingt vielleicht anspruchslos.

Für mich ist es das Gegenteil.

Es ist eine bewusste Entscheidung.

Denn wenn man entscheidet, dass genug genug ist, verliert man einen großen Teil des Drucks, immer mehr haben zu müssen.

Ein anderer Freund von mir hat eine interessante Idee

Ein Freund von mir könnte sich beispielsweise vorstellen, irgendwann in einer kleinen Kommune zu leben.

Vielleicht 10 bis 20 Menschen.

Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die sich gegenseitig unterstützen.

Der eine ist Handwerker.

Die andere kann programmieren.

Jemand baut Lebensmittel an.

Jemand kennt sich mit Technik aus.

Jemand kann organisieren.

Jemand kann mit Menschen umgehen.

Jeder bringt etwas ein.

Und jeder bekommt etwas zurück.

Das ist für mich wesentlich interessanter als die Vorstellung, dass jeder Einzelne möglichst viel verdienen und besitzen muss.

Stell dir vor, man würde dieses Wissen mit moderner Technik verbinden.

Ökologische Häuser.

Hervorragende Dämmung.

Geringer Energieverbrauch.

Kleine Wohnflächen.

12 oder 24 Volt Gleichstrom, wo es sinnvoll ist.

Erneuerbare Energie.

Reparierbare Geräte.

Gemeinschaftlich genutzte Ressourcen.

Weniger Autos.

Weniger Müll.

Weniger Verschwendung.

Das ist technisch heute in vielen Bereichen möglich.

Wir müssten es nur wollen.

Was ist eigentlich Luxus?

Vielleicht liegt hier der größte Unterschied zwischen meiner Tochter und mir.

Sie sieht Möglichkeiten.

Ich sehe Genügsamkeit.

Und ich glaube, dass beides seine Berechtigung hat.

Ich möchte nicht, dass sie ihre Ideen aufgibt.

Ganz im Gegenteil.

Ich finde es großartig, dass sie mit 25 Jahren darüber nachdenkt, wie man ein Unternehmen aufbauen kann.

Dass sie über Wirtschaft nachdenkt.

Über Deutschland.

Über gesellschaftliche Strukturen.

Über ihren eigenen Lebensweg.

Sie soll ausprobieren.

Sie soll Fehler machen.

Sie soll wachsen.

Aber ich möchte ihr trotzdem etwas mitgeben.

Nur weil etwas größer, schneller und wirtschaftlich erfolgreicher werden kann, bedeutet das nicht automatisch, dass es besser ist.

Vielleicht müssen wir irgendwann wieder lernen, zwischen Wachstum und Fortschritt zu unterscheiden.

Vielleicht ist nicht alles Fortschritt, was unsere Wirtschaft wachsen lässt.

Vielleicht ist weniger manchmal mehr.

Und vielleicht ist die größte Form von Freiheit nicht, sich alles leisten zu können.

Vielleicht ist Freiheit, nicht alles haben zu müssen.

Für einen bescheidenen Menschen ist Luxus etwas völlig anderes als für einen verschwenderischen Poser.

Für mich ist Luxus Ruhe.

Luxus ist Zeit.

Luxus ist morgens keinen Termindruck zu haben.

Luxus ist mit einem Menschen, den ich liebe, einen Kaffee zu trinken und nirgendwo hin zu müssen.

Luxus ist nicht jeden Euro verdienen zu müssen, den ich verdienen könnte.

Luxus bedeutet für mich, genug zu haben und deshalb nicht mehr haben zu müssen.

Meine Tochter hat mir mit ihrer Nachricht einen interessanten Gedanken gegeben.

Vielleicht treffen hier tatsächlich zwei Welten aufeinander.

Eine 25 jährige Frau, die gerade entdeckt, was alles möglich ist.

Und ein 43 jähriger Mann, der langsam entdeckt, wie wenig davon er eigentlich braucht.

Und vielleicht ist keine dieser beiden Sichtweisen falsch.

Vielleicht braucht man in jungen Jahren den Mut, Möglichkeiten zu sehen.

Und später den Mut, bewusst Grenzen zu setzen.

Denn irgendwann kommt vielleicht die wichtigste wirtschaftliche Frage überhaupt.

Nicht

Wie viel kann ich noch verdienen?

Sondern

Wie viel brauche ich wirklich?

Meine Antwort darauf ist inzwischen ziemlich einfach.

Genug.

Und wenn ich genug habe, möchte ich nicht mehr wachsen.

Ich möchte leben.